FOTO-PAEDAGOGIK

Jeder Jugend­liche hat Sympathie verdient

Unsere Jugendlichen sind von vielen Menschen enttäuscht und verlassen worden. Sie haben Treue und Verlässlichkeit verdient. Sie brauchen echte Vorbilder – glaubhafte Zeugen, keine Oberlehrer!

Die Päda­gogik der Amigonianer ist nicht so sehr durch bestimmte Konzepte, Projekte oder Methoden bestimmt, sondern vor allem durch einen Stil, durch einen Geist, der die amigo­nianischen Päda­gogen prägt.

Dieser Stil hat seinen Grund vor allem im christ­lichen Menschenbild, der franzis­kanischen Spiritualität und den Erfah­rungen von Luis Amigó und den ersten Amigonianern.



Christliches Menschenbild:

Alle Menschen sind Geschöpfe Gottes mit gleicher Würde. Alle Menschen bedürfen der An­leitung und der Erlö­sung, niemand ist voll­kommen. Das Ziel der mensch­lichen Ent­wicklung und Reifung ist die Liebe. Größere Frei­heit gibt es nur mit größerer Verant­wortung.

Franziskanische Werte:

Alle Menschen sind Ge­schwister und daher wie eine große Fami­lie. Tugend der Armut und Einfach­heit, sowie Liebe zu den Armen. Fried­­voller und respekt­voller Umgang mit­einander und mit der Schöpfung. Barm­herzig­keit ist der Weg zum Glück.

Tradition der Amigonianer:

Auch die „vom rechten Weg abgekommen“ haben ein Recht, glück­lich zu werden. Das Leben ist nicht leicht – was nichts kostet, ist auch nichts wert. Der freie Wille bedarf der beson­deren Ent­wicklung (Selb­stän­digkeit). Jugend­liche brau­chen eine Gruppe und werden durch gesunden Wett­bewerb motiviert.



Der amigonianische Erzieher

Für den Pädagogen und Erzieher, der im amigonianischen Geist arbeitet, ergeben sich folgende Schlussfolgerungen für die alltägliche Praxis:

Jeder Jugendliche hat Sympathie verdient – Empathie ist eine Grundvoraussetzung für die pädagogische Beziehung.

  • Herzliche Aufnahme in der Einrichtung.
  • Kennenlernen der Jugendlichen „mit dem Herzen“
    (empathisches Verstehen, beim Namen rufen, aus wirklichem Interesse heraus).
  • Erziehen aus nächster Nähe, aus dem einfachen Mitleben heraus, Präsenz mit wachsamer Aufmerksamkeit, ganz da sein.
 

 
Jeder Jugendliche ist eine Welt für sich – deshalb ist Respekt vor dem Einzelnen und individuelle Erziehung unabdingbar.

  • Jedes Regelwerk muss immer individuell angewandt werden, es ist um des Menschen willen da, nicht umgekehrt.
  • Der Jugendliche wird erstmal angenommen wie er ist, nicht wie ich ihn gern hätte.
  • Jeder Jugendliche bekommt die Aufmerksamkeit, die er braucht, nicht die ich brauche.
  • Wer „besonders arm dran“ ist, hat mehr Aufmerksamkeit verdient.

Unsere Jugendlichen sind von vielen Menschen enttäuscht und verlassen worden. Sie haben Treue und Verlässlichkeit verdient.

  • Gerade in schwierigen Situationen und Konflikten ist Ausdauer, Geduld und eine gewisse Aufopferung nötig, jedoch zahlt sich Standhaftigkeit auf Dauer aus.
  • Die Jugendlichen erfordern oft ein Engagement, das über das im Arbeitsvertrag festgelegte Maß hinaus geht; frohe Bereitschaft zu diesem Einsatz gehört dazu (wobei die Kräfte des Erziehers natürlich auch ihre Grenze haben, die unbedingt respektiert werden muss).
 

 
Unsere Jugendlichen brauchen echte Vorbilder – glaubhafte Zeugen, keine Oberlehrer.

  • Vorbild sein im normalen Leben: „Lass uns das tun!“ statt „Mach das!“
  • Das Leben zu teilen eröffnet ungeahnte Möglichkeiten für Begegnung; im Mitleben zeigt sich, dass dem Erzieher der Jugendliche wirklich wichtig ist.
  • Das Leben einer Familie ist das Vorbild für den familiären Geist, der in den amigonianischen Häusern herrscht.

Nach mehr als hundert Jahren pädagogischer Erfahrung sind wir in folgenden Bereichen der Jugendhilfe tätig:

  • Beratungs- und Diagnoseeinrichtungen, in denen unter Anwendung psychologischer und pädagogischer Erkenntnisse und Methoden eine angemessene Unterstützung für erziehungsbedürftige Kinder und Jugendliche geleistet wird oder eine weitergehende Jugendhilfemaßnahme geplant wird.
  • Heime für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr in ihrer Familie leben können. Ziel ist das Aufarbeiten von bisherigen Benachteiligungen und eine ganzheitliche Entwicklung zu einer selbständigen und verantwortlichen Persönlichkeit in der Gesellschaft.
  • Offene Jugendarbeit in sozial benachteiligten Stadtteilen, in denen die Kinder und Jugendlichen in und mit ihren Familien unterstützt werden. Bei diesem Ansatz wird auch der Stadtteil in die pädagogischen Angebote integriert.
  • Neu entstehenden Familienzentren.
  • Angebote der Drogenhilfe, die sowohl Aufklärung und Prävention als auch Therapie einschließen.
  • Gefängnisseelsorge für jugendliche Straftäter.
  • Eine Staatlich anerkannte Ausbildungseinrichtung für pädagogische Fachkräfte in Spanien.
  • Eine allgemeinbildende Hochschule in Kolumbien. Dabei geht es auch um die Verknüpfung von wissenschaftlichen Erkenntnissen mit der täglichen Praxis unserer pädagogischen Arbeit.